FRAME WORKS "CLASSICAL GUITAR"

Da staunten der Postbote und der AKUSTIK-GITARRE-Tester gemeinsam. Beide sind gewohnt, dass die regelmäßig eintreffenden Pakete mit Akustikgitarren eine doch recht imposante Größe aufweisen. Diesmal war alles anders.
Ein Paket von knapp 100 x 19 x 24 cm steht im Testraum. Heraus kommt eine schmucke und stabile Kunststofftasche, die die Frameworks-Gitarre enthält. Das Geheimnis liegt in der Konstruktion. Dieses Instrument ist eine gewaltige Abstraktion dessen, was wir unter dem Namen "Klassikgitarre" kennen. Angepeilter Einsatzzweck dieser Gitarre ist vornehmlich die professionelle Live- und Studioarbeit. In diesem Sinne ist in dieses Modell auch ein MIDI-Tonabnehmer integriert, der zum Anschluss an die gängigen Konverter von Roland, Axon oder Yamaha vorgesehen ist.

AUFBAU
Die Frameworks besteht aus einem durchgehenden Stück Mahagoni in Griffbrettbreite, an dessen einem Ende die Saiten befestigt werden. Eine Kopfplatte sucht man vergebens (Headless-Design). Am anderen Ende sitzen hinter der Bridge die sechs verchromten Stimmmechaniken von Schaller, die mit schwarzen Flügeln versehen sind. Über stabile Stahlstifte werden an beiden Seiten dieses reduzierten "Bodys" die so genannten "Frames" angesetzt. Sie bilden die Konturen eines normalen Gitarrenkörpers nach, in unserem Falle die einer Gitarre mit Cutaway. Die Frames selbst haben einen Metallkern, der mit Schläuchen aus schwarzem Zellkautschuk überzogen ist. Sie sind extrem stabil und fühlen sich sehr gut und körperfreundlich an. Der Zusammenbau der Gitarre ist dabei eine Sache von wenigen Handgriffen - in kürzester Zeit ist das Instrument spielbereit. Verblüffend ist, wie schnell sich der Gitarrist an dieses Baukonzept gewöhnt. Einem verwunderten Blick beim Erstkontakt folgt ein zufriedenes Grinsen mit dem Instrument vorm Bauch. Diese Gitarre, die zu 90 % aus Luft besteht, lässt sich sowohl im Sitzen als auch im Stehen (mit Gurt, die nötigen Gurtpins sind bereits montiert) äußerst bequem spielen. Nach wenigen Minuten ist selbst der automatische Griff der rechten (!) Hand zu den Stimmmechaniken, die an ungewohnter Stelle hinter dem Tonabnehmer sitzen, eine Selbstverständlichkeit.
Das Mahagoni von Korpus und Hals ist mit einem Ölfinish endbehandelt, was ein angenehmes Seidenmatt Gefühl zur Folge hat. Wenigstens der Hals vermittelt dem verwunderten Gitarristen einen Rest des gewohnt "holzigen" Spielgefühls. Um die Natürlichkeit des Klangs zu gewährleisten, sind in die Konstruktion Resonanzkammern integriert worden. Diese auf das Wesentliche reduzierte Bauweise hat einen angenehmen Nebeneffekt: ein extrem geringes Gewicht. Das Griffbrett, das 19 Bundstäbchen trägt (im Bereich von e- und h-Saite 22), besteht aus feinem Ebenholz und verfügt auf der Oberkante über drei kleine Markierungen im V., VII. und XII. Bund zur Orientierung. Die Griffbrettmaße orientieren sich an den Bedürfnissen klassischer Gitarristen. Überhaupt sind alle spieltechnisch relevanten Maße wie Mensur, Halsbreite und Saitenabstand in den gewohnten Dimensionen belassen. Die Bedienelemente der Frameworks MIDI Classical finden sich dem Spieler zugewandt auf der Oberseite von Hals/Korpus. Im Einzelnen sind dies zwei Drehregler für die Lautstärke der Gitarre und die des angeschlossenen Synthesizers sowie ein Schalter, dem MIDI-Funktionen zugeordnet werden können. Der 13-polige Stecker für den Anschluss des MIDI-Interfaces ist ebenfalls hier angesiedelt. Die Standard-Klinkenbuchse für das Audio-Kabel sitzt versenkt auf der Rückseite neben dem einfach zu öffnenden Batteriefach. Die Saitenführung ist im Vergleich zu einer normalen klassischen Gitarre genau umgekehrt. Am Ende des Halses (wo sich sonst die Kopfplatte befindet) werden die Saiten durch ein Stück Ebonol gefädelt und laufen über einen Nullbund. Am anderen Ende sitzt der integrierte Tonabnehmer für Audio und MIDI. Sechs individuelle piezoelektrische RMC-Saitensensoren sind vorhanden. So ist eine optimale Trennung der Einzelsaiten gewährleistet.
Zwischenbericht: Bei aller Extravaganz der Konstruktion sollte der aufgeschlossene Gitarrist mit dieser Gitarre gut klarkommen. Auch eine streng klassische Haltung ist problemlos möglich. Nur diejenigen, die es bei ihrer Spielweise - sei es Fingerstyle oder mit dem Plektrum - gewohnt sind, den rechten Ringfinger oder den kleinen Finger auf der Decke des Instruments abzustützen, sind in Schwierigkeiten. Es gibt keine Decke! Zur Not ist hier eine Ruheposition an der Unterseite des Mahagoniblocks vorstellbar.

KLANG
Auch bei einem solchen Instrument lohnt ein Check des rein akustischen Klanges. Hier stellt man bereits fest, dass das Klangbild extrem ausgewogen und sauber ist. Das Sustain ist lang und von klarer Gestalt, unangenehme Eigenresonanzen mit Überbetonungen einer bestimmten Frequenz sind nicht feststellbar. Auch das Schwingungsverhalten einer akustischen Gitarre ist im weitesten Sinne spürbar. Natürlich ist die Frameworks nicht zum akustischen Spielbetrieb vorgesehen. Die Lautstärke ist gerade so, dass sie immerhin eine Kontrolle des eigenen Spiels gestattet und mitternächtliches Üben problemlos möglich ist. Ihre wahre Stärke offenbart die Frameworks im Studio. Der Sound, der aus den Monitoren perlt, ist bereits bei linearer Equalizer-Einstellung eine wahre Freude. Die Frequenzverteilung ist absolut ausgewogen, und die akustische Abbildung einer klassischen Gitarre ist durchaus gelungen. Piezotypische Eigenheiten wie leichte Überbetonung des Anschlags und komprimierte Klangentfaltung halten sich in akzeptablen Grenzen. Etwas Hall dazu, und schon vergeht die Zeit wie im Flug. Auch Spielereien am parametrischen Equalizer des Mischpults offenbaren Interessantes. Der bereits gute Grundklang ist hier ganz leicht in verschiedene Richtungen zu beeinflussen. Etwas mehr Fülle gefällig? Suchen Sie einen edlen "HiFi- Nylonstring-Klang"? Mögen Sie es etwas wärmer und bedeckter? Alles kein Problem. Die Frameworks Gitarre ist ein richtiges Multifunktions-Talent und reagiert willig und ohne zu zicken auf kleinste Veränderungen am EQ. Auffallend ist einmal mehr die Ausgewogenheit in Klang und Dynamik. Die Balance der Saiten untereinander, die Lautstärke der einzelnen Töne über das gesamte Griffbrett und das lange Sustain sind bestens ausbalanciert und von analytischer Schärfe. Die Frameworks MIDI Classical ist unter dem Gesichtspunkt der elektroakustischen Anwendung ein absolut professionelles Werkzeug. Wer den Mut hat, sich mit diesem ausgefallenen Instrument zu beschäftigen, könnte für die beschriebenen Live- und Studio-Anwendungen das lang ersehnte Trauminstrument finden. Beim Live-Betrieb darf man nicht aus den Augen verlieren, dass das Ergebnis "on stage" von der Güte der verwendeten Verstärkungsanlage abhängt. Stehen hier hochwertige Komponenten für Monitor und PA zur Verfügung, wird das Ergebnis für Musiker und Publikum überzeugend ausfallen. Jazz-, Fusion- und Latin-Gitarristen werden, so sie nicht ein klassisches Klangideal mit entsprechendem Spielgefühl bevorzugen, mit der Frameworks-Gitarre ihre Freude haben. Etwas Aufgeschlossenheit gehört allerdings schon dazu, ein solches Instrument zu spielen.

MIDI
Natürlich interessiert uns speziell bei diesem Modell auch der Einsatz in Verbindung mit einem Gitarrensynthesizer. Zur Verfügung stand ein Roland GR- 09, der nach der Verbindung mit dem speziellen Mehrpolkabel denn auch auf Anhieb funktionierte. Eines der großen Probleme bei Gitarrensynthesizern ist das so genannte "Tracking". Die Saitenschwingung muss analysiert werden, wozu einige Schwingungsdurchläufe nötig sind. Dementsprechend sprechen tiefe Töne etwas langsamer an. Der MIDI-Pickup der Frameworks MIDI Classical macht hier eine gute Figur. Bei sauberem Spiel (das ist übrigens eine Grundbedingung für den sinnvollen Einsatz von Gitarrensynthesizern) können auch Klänge mit sehr schnellem Attack (z.B. Piano, Bass, Vibraphon, Trompete u.a.) sauber angetriggert werden. Dem Schalter auf der Oberseite des Korpus ist dabei in der Regel die Bank-up- bzw. -down-Funktion zugeordnet, so dass man, ohne die Hände vom Instrument nehmen zu müssen, mit den Füßen die Sounds umschalten kann. In der Realität wird eine Synth-Gitarre, insbesondere eine Nylonstring-Acoustic, nicht unbedingt dazu verwendet, ein Klavierkonzert zu intonieren oder Bläsersätze abzufeuern. Typisch ist vielmehr die Unterlegung des elektroakustischen Klanges der Gitarre mit weichen Flächensounds des Synths. Diese kann man mit dem Hold-Pedal halten und über eine stehende Akkordfläche improvisieren. Auch ein Einsatz mit ausdrucksstarken Solo-Sounds ist vorstellbar, wie Pat Metheny immer wieder beweist. Die Flöten- oder Saxofon-Samples im ROM der meisten Synthesizer zeigen hier leider ein eher dürftiges Ergebnis. Logischerweise hat die Klangauswahl nichts mit der Frameworks-Gitarre zu tun, die lediglich das Instrument zum Ansteuern des synthetischen Klangerzeugers darstellt.

FAZIT
Die Frameworks MIDI Classical Guitar ist ein professionelles Werkzeug für den aufgeschlossenen Gitarristen. Wer genau weiß, was er damit anzustellen gedenkt, wird hier auf höchstem Niveau bedient. Die Frameworks ist definitiv ein "Nischenprodukt", als solches aber wegweisend. Das beweist auch die Benutzerliste, die sich wie das Who's Who der modernen Jazz-, Fusion- und Brasil Gitarrenszene liest.

Andreas Schulz



FRAMEWORKS - 7-STRING MIDI GUITAR

Schon wieder ein Test über eine "Travel-Guitar"? Weit gefehlt! die 7-seitige Frame Works Nylonstring- Gitarre ist viel mehr als Reise-Gitarre zum Üben mit Kopfhörer. Dieses professionelle Instrument gehört auf die Bühne. Die Frame-Works-Gitarren stammen aus dem süddeutschen Burghausen und werden seit 1995 von Frank Krocker entwickelt und gebaut. Mittlerweile sind fünf verschiedene Modelle im Programm: drei Nylon- und zwei Stahlsaiten-Gitarren. Die 7-saitige Nylon-Gitarre mit MIDI-Unterstützung ist das derzeitige technische Flaggschiff von Frame Works.

KONSTRUKTION
Die Gitarre besteht im Wesentlichen aus einem durchgehenden Mahagoni-Hals mit Ebenholz-Griffbrett. Die Saiten werden mithilfe von Mechaniken gestimmt, die hinter dem Steg angebracht sind. Das macht die Kopfplatte überflüssig - die Gitarre kommt im modernen "Headless"-Design daher. Anstelle der Kopfplatte ist eine Vorrichtung erkennbar, die das Befestigen der Nylon-Saiten am Kopfende mit dem gängigen, bei klassischen Gitarren üblichen Knoten ermöglicht. Ein Sattel sorgt für konstanten horizontalen Saitenabstand und ein Null-Bund für eine komfortable Saitenlage. Die Gitarre hat 22 Bünde, wovon die letzten drei nur die höher gestimmten Saiten betreffen. Laut Hersteller soll das die Arbeit der Anschlaghand unterstützen, die dadurch mehr Raum bekommt. Zwei mit Schaumstoff umhüllte Alu-Rohre (Frames) ersetzen den Korpus. Sie lassen sich leicht auf die Gitarre aufstecken und wieder lösen. Der untere Frame ist etwas kleiner, so entshet das Gefühl eines Cutaways und die höheren Lagen sind besser zu erreichen. Die beiden Frames sind in leichtem Winkel nach hinten angebracht, um ein wenig mehr "Korpustiefe" zu vermitteln. Der eingebaute Tonabnehmer kann das Gitarrensignal auf zwei verschiedene Arten herausgeben: als traditionelles Audio-Signal und als MIDI-Information. Mithilfe dieser MIDI-Option kann die Frame-Works- Gitarrean kompatible Controller (z.B. Roland) angeschlossen werden, das Kabel wird an der eingebauten 13- poligen Buchse angeschlossen, die leider bei Gitarrensynthis Standard ist. Deshalb musste auch Frame Works eine dieser Buchsen benutzen; gäbe es eine Alternative, hätte Krocker sie sicher eingebaut, denn wirklich roadtauglich sind diese Stecker und Buchsen nicht. Zum Glück geben die Frames der Gitarre dem Spieler diverse Möglichkeiten, das Kabel zwecks Zugentlastung zu fixieren. Hinter der Bridge sitzen die sieben vergoldeten Stimmmechaniken von Schaller, die mit schwarzen Ebenholzflügeln versehen sind. Die Fräsungen zur Aufnahme der Mechaniken gehen nicht durch den "Korpus" hindurch, sondern es sind lediglich Mulden. Von hinten ist davon also nichts zu sehen. Dafür findet man hier die Klinken-Buchse in Form einer Metall- Mulde sowie das leicht zu öffnende Batteriefach.Die Gitarre besitzt einen Lautstärke-Regler, einen Überblend- Regler zum Mischen des Gitarren- und MIDI-Signalanteils sowie einen Kippschalter, der in seinen drei Positionen direkten Zugang zu den drei Einstellungen "nur Gitarre", "Gitarre+Synth" und "nur Synth" bietet. An der Unterseite der Gitarre sitzt ein Up-Down-Taster, mit dem man seine Synthie-Sounds anwählen kann. Zwei sinnvoll positionierte Gurtpins garantieren auch im Stehen eine sichere und komfortable Haltung des Instruments. Die gesamte Verarbeitung ist makellos. Zum Lieferumfang gehört ein passendes Gigbag, in das die Frame Works mit abmontierten Frames gehüllt wird. Danach ist das Paket winzig und sehr leicht - und damit voll transport- und reisetauglich.

HANDHABUNG
Der Hals ist aufgrund der siebten Saite auffallend kräftig, überzeugt jedoch durch seine günstig gestaltete Form. Klassik-Gitarristen sind ja sowieso mächtigere Hälse gewohnt, aber auch Steelstringer und EGitarristen werden mit ein wenig Gewöhnung klarkommen. Die siebte Saite ist auf ein tiefes H gestimmt und schwingt kräftig aus, das erfordert eine höhere Saitenlage der unteren Saiten, was beim vorliegenden Test- Modell sehr gut gelöst wurde. Schlägt man die Saite mit den Fingern an, gibt es keine störenden Teile, die einem im Weg wären. Alle Fingerstyle-Techniken sind sehr schnell auf das neue Instrument übertragbar. Bestimmte Flamenco-Techniken, bei denen die Decke mit ins Spiel einbezogen wird, sind auf der Frame Works natürlich nicht möglich. Mit dem Plektrum hatte ich etwas Probleme mit den Mechaniken, die beim Ausführen mancher Dämpf-Technik mit der rechten Hand im Weg waren. Frank Krocker erklärte mir, dass dies ein Detail-Problem der siebensaitigen Gitarre insgesamt sei. Bei den ande Instrumenten gäbe es genug Platz, die Mechaniken schräg einzubauen, sodass sie nicht mehr stören.

KLANG
Schon der erweitere Tonumfang der tiefen H-Saite reicht aus, um sich für dieses Instrument zu begeistern. Mächtig und druckvoll werden die Bässe wiedergegeben. Mit der zusätzlichen Saite sind überdies in den höheren Lagen ganz neue Akkord-Kombinationen möglich, die nur darauf warten vom Spieler entdeckt zu werden. Normalerweise unerreichbare Bass-Töne werden hier durch die zusätzliche Saite plötzlich spielbar. Die Frame Works ist nicht für den rein akustischen Klang gebaut worden, dafür ist sie viel zu leise. Die wahre Stärke des Instruments ist der Live-Einsatz. Die Frame Works 7-String MIDI Classical ist unter dem Gesichtspunkt der elektroakustischen Anwendung ein absolut professionelles Werkzeug. Sie wartet mit einem derart überzeugenden Gitarren-Signal auf, dass man sicher sein kann, in jeder Live-Situation problemlos zurechtzukommen, leuchtende Augen der Leute hinter dem Mischpult inklusive. Die Gitarre hat keinen Ton- Regler, vermisst habe ich ihn nicht - es gab keinen Wunsch etwas nachzuregeln. Die Gitarre klingt über das ganze Griffbrett weich und voll, und das immer mit der nötigen Durchsetzungskraft. Die Klang-Anteile, die bei anderen Piezo-Systemen nerven, scheinen hier schon ab Werk weggefiltert worden zu sein. Die Frame Works klingt sowohl mit Fingern als auch mit dem Plektrum gespielt sehr natürlich nach Konzertgitarre, und diese trotz ihrer avantgardistischen Optik. Die Balance der Saiten untereinander, die Lautstärke der einzelnen Töne über das gesamte Griffbrett und das lange Sustain sind bestens ausbalanciert und von analytischer Schärfe. Aufgrund der Korpus-Losigkeit gibt es niemals Feedback-Probleme; das garantiert problemlosen Einsatz auch in lauten Bands.

MIDI
Der eingebaute Pickup nimmt alle sieben Saiten einzeln ab, was für die MIDI-Option unbedingt erforderlich ist. Es gibt nur leider keinen heptaphonischen (siebentönigen) Controller auf dem Markt; alle gängigen Systemem arbeiten mit 6 MIDI-Kanälen. Für die 7-saitige Gitarre bedeutet dies, dass sich die beiden tiefsten Saiten einen MIDI-Kanal teilen müssen, was wiederum heißt, dass sie nicht gleichzeitig klingen können. Ich empfinde das nicht als Nachteil, denn niemand wird z.B. Terzläufe auf den tiefen Saiten der Nylonstring ausführen wollen. Die 7. Saite lässt sich bei Bedarf mithilfe des als Push-Pull-Poti ausgeführten MIDI-Volume-Reglers abschalten. Das Tracking des Tonabnehmers ist hervorragend, die Gitarre eignet sich also sehr gut als Controller.

FAZIT
Für dieses Instrument gebührt Frame Works Respekt. Die Stärken dieser 7-String sind ihr unglaublich natürlicher Sound und die sehr gute Bespielbarkeit. Wer Nylon-Gitarre vor Publikum spielt, könnte hier sein Traum-Instrument finden. Die siebte Saite ist eine echte Erweiterung der Möglichkeiten der Gitarre, die MIDIOption die Klangwelten der Sample- und Synthesizer-Sounds. Die Frame Works ist ein professionelles Instrument für ebensolchen Einsatz. Der Preis des Instruments ist daher absolut gerechtfertigt.

Peter Autschbach



FRAME WORKS "MODERN CLASSIC"

Nun, da waren sich denn doch alle einig, die Gitarre ist fertig designed, Neuheiten wird es wohl nicht mehr geben - aus vorbei und akzeptiert. Und dann kommt es doch ganz dick. Alleine schon das Gigbag. ”Spielst Du Sopran- Saxophon” fragt mich da einer. ”Nee”, sag ich, ”Gitarre” ...glaubt er nicht, hätte auch mal Musik gemacht und so, aber da könnte ja wohl keine Gitarre drin sein. Also machen wir das Gigbag auf. Darin befindet sich eine Frameworks Modern Classic. Das Teil ist in 2 Minuten zusammengebaut. Er nun wieder: ”Das ist doch keine Gitarre”. ”Doch”, sage ich, ”und was für eine.”
Die Basis der Frameworks ist aus einem massiven Stück Mahagoni. Darauf befindet sich ein Griffbrett aus Ebenholz. Wer, wie gewohnt, zum Stimmen nach links greift, findet erst mal nichts, die Mechaniken, Im vorliegenden Fall aus dem Hause Schaller, befinden sich auf der Korpusseite des Halses. Die Seitenteile, ”Frames”, werden an Metallstiften einfach an den Mahagoniblock gesteckt. Die Frames selbst bestehen aus Metall und haben einen Überzug aus Zellkautschuk.
Nimmt man das zusammengesteckte Instrument in die Hand, fällt erst mal auf, wie leicht es ist. Die Frameworks passt sich dem Körper ergonomisch phantastisch an. Wer im Stehen spielen will wird sich freuen, entsprechende Gurtpins sind schon angebracht. Der Hals ist mit einem Ölfinish versehen und liegt sehr gut in der Hand. Nach wenigen Minuten hat man sich intuitiv darauf eingestellt, das flüssige Spielen scheint sogar begünstigt zu werden. Das Profil ist schon schlanker, als man es von einer klassischen Gitarre gewohnt ist, das liegt aber am Modell. Es gibt verschiedene Varianten, hier haben wir eine Modern Classic, die eben etwas mehr in Richtung Fusion geht. Das Handling ist hervorragend, nach kurzer Zeit fühlt man sich auf der Frameworks absolut zu Hause. Der akustische Klang ist selbstverständlich sehr leise, zeigt sich aber äusserst ausgewogen, die Gitarre klingt schön und harmonisch aus. Das macht neugierig auf den verstärkten Betrieb, dafür wurde die Frameworks schließlich in erster Linie konzipiert.
Die Elektrik der Frameworks kann ebenfalls mit einigen Vorzügen aufwarten. Das Pickupsystem ist von RMC. Es sind 6 einzelne Saitensensoren. Diese Trennung ist wichtig, da die Frameworks mit einem Ausgang ausgestattet ist, der ”GK-kompatibel” ist. Man kann mit der Frameworks somit direkt ohne zusätzliche Einbauten in die handelsüblichen Gitarrensynthesizer gehen. Dies geschieht über einen Mehrpolausgang, der zum Marktstandard geworden ist. Ferner verfügt die Gitarre natürlich über einen regulären Klinkenausgang. Außerdem finden wir 2 Volumenregler, einer für die Gitarre selbst, der zweite für das entsprechend angeschlossene Synth System. Für diesen Einsatz gibt es an der unteren Seite des Mahagoniblocks noch 2 Taster, welche die ”UP - Down” Funktionen des GK Pickups übernehmen können, wie z.B. Programme hoch oder runter schalten. Die Frameworks kommt also ohne Equalizer aus, umso spannender der verstärkte Einsatz. Am Akustikverstärker klingt die Frameworks sehr ausgewogen und rund. Genauso stellen wir uns den Klang einer Akustikgitarre vor. Es ist schon erstaunlich, wo die Frameworks diese Soundtiefe hernimmt. Ist es ein Nachteil, keinen Equalizer am Instrument zu haben? Im Fall der Frameworks sicher nicht. Das Instrument reagiert so sensibel auf den Anschlag, dass alle Nuancen direkt hörbar sind. Der Spieler ist immer noch der beste Equalizer durch seine Dynamik und seinen Stil, dieses Instrument gibt eben das ungefiltert wieder - beeindruckend!
Selbstverständlich kann natürlich über den Verstärker nachgeholfen werden, verschiedene persönliche Preferenzen zu unterstützen. Hierbei verliert die Gitarre aber niemals ihren Charakter, ein ”vermischen”, bis sie nicht mehr schön klingt, ist mehr oder minder unmöglich. Am PA System zeigt sich die Frameworks genauso kultiviert. Auch hier treten weder Bass noch Höhen in den Vordergrund, alles bleibt ausgewogen differenziert. Von technischer Seite dürfte der Frameworks also nichts passieren, die Mixing Engineers werden sie lieben.
Darf es noch ein wenig mehr sein? Darf es. Ich schließe die Frameworks an einen Roland VG-88 an. Sie ist jetzt so verkabelt, dass beide Ausgänge belegt sind, die Frameworks geht direkt über den Klinkenausgang in einen Kanal, und ebenfalls über den Mehrpolstecker nebst VG-88 in einen weiteren Kanal. An dieser Stelle wird der Einsatz des Instruments grenzenlos. Eine Stunde Test brachten mindestens 5 brauchbare Songfragmente. Selbst Distortionsounds liefen problemlos ab (Wir reden immer noch über eine Nylonsaiten-Gitarre). Die Frameworks trägt den Titel Modern Classic zurecht.
Ein weiterer Test an einem Roland GR-33 zeigte ein erstaunliches Tracking. Aus der Vergangenheit kennt man die Probleme mit der korrekten Tonerkennung bei Synthesizer Systemen. Die Frameworks zeigt sich sehr sicher, was da aus den Lautsprechern kommt ist auch wirklich das, was gespielt wurde. Hier bringt das Ebenholzgriffbrett seinen Teil bei, in erster Linie schlägt hier aber sicherlich die schon erwähnte akustische Ausgewogenheit des Instrumentes zu Buche. Wer sich in der Vergangenheit eine blutige Nase beim Experimentieren mit Gitarrensynthesizern geholt hat, wird hier sicherlich kuriert. Die Gitarre ist für den ambitionierten Spieler unbedingt empfohlen. Wer baut die Frameworks eigentlich? Die Frameworks wird in Handarbeit von dem Gitarrenbauer Frank Krocker hergestellt. Die vielen Details und extravaganten Problemlösungen dieses Konzeptes sprechen alleine für seine Kompetenz. Man muss jedoch wissen, dass Frank Krocker lange Jahre konventionelle Gitarren gebaut hat und somit ganz genau weiß, worum es geht. In Bezug auf Qualität habe ich Frank als 700% kennengelernt, man kann die Frameworks blind bestellen, wird sich aber, aufgrund der recht hohen Nachfrage, auch ein wenig länger darauf freuen müssen.

UNTER DEM STRICH
Wer da glaubt, das ist eine Übungs- oder Reisegitarre, oder gar ein Fischer-Technik Bausatz für die Großen, hat sich gehörig geschnitten. Die Frameworks ist ein hochprofessionelles Gerät und wird eben diesem Einsatz vollständig gerecht. Ob Avantgardist, Fusionspieler oder Klassiker, alle werden die Frameworks lieben. Die Gitarre würde es jedem leicht machen, sie als Hauptinstrument zu wählen. Dabei bringt sie jede Menge Neuheiten und Details mit, immer im Sinne des Klangs, nicht um abgefahren auszusehen. Frank Krocker hat schon noch ganz deutlich am eingangs erwähnten Design-Rad gedreht.
Man sagt dem großen Segovia nach, er hätte bei Flügen zu seinen Konzerten immer 2 Sitze gebucht, einen für sich und einen für sein Instrument. Die Frameworks ist den Sitz definitiv wert - passt aber auch ins Handgepäckfach ...

Wolfgang Weber-Terne