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Eine elektroakustische Gitarre, volltauglich für den Bühneneinsatz und mit wenigen Handgriffen zerlegbar. So beschreibt der Burghauser Gitarrenbauer seine Frame Guitar (frame = Rahmen, Gerüst). Ähnliche Versuche, Gitarren transportabler oder leichter zu machen, hat es ja insbesondere bei E-Gitarren schon gegeben. Ob der Klang dieser Gitarren jedoch immer dem verwöhnten Ohr eines Gitarristen genügt, der auf Konzertgitarren spielt, ist eine andere Frage.
Frank Krocker ist Konzertgitarrenbauer, und dementsprechend hoch sind seine Ansprüche. Inzwischen bestellen bekannte Gitarristen aller Stilrichtungen wie Andrew York vom "L.A. Guitar Quartet", Pat Metheny oder Brasiliens Popstar Gilberto Gil seine "Frame Guitar" und das könnte die Erwartungen bereits in die Höhe schnellen lassen. Angeboten werden verschiedene Modelle, vor denen die zwei Nylonsaiten-Versionen - einmal mit Seitenteilen in Gitarrenform, einmal mit runden Seitenteile - hier getestet werden sollen.
DIE KONSTRUKTION
An der Gitarre überrascht zuerst einmal ihre unglaubliche Kompaktheit: ein Stück Hals, an dem zwei gebogene oder runde rohrförmige Seitenteile angebracht werden, mehr nicht. Auf kleinstem Platz verstaubar in einem kleinen Gigbag und 1.700 Gramm leicht. Der Hals ist 83 cm lang und am unteren Ende 38 mm stark gearbeitet, um im dortigen Hohlraum die technischen Elemente unterbringen zu können. Ansonsten ist der Hals wie der einer normalen Konzertgitarre geformt und aus den denselben hochwertigen Materialien gefertigt: Honduras-Mahagoni und, fürs Griffbrett, Ebenholz. Die getesteten Gitarren haben eine 65er Mensur und sind im 10. Bund 25 mm stark. Ein abgeschrägtes Hals-Shaping simuliert einenn Cutaway, der sich im Rohr des Seitenteils fortsetzt. Der Saitenhalter ist am unteren Ende untergebracht, um noch mehr Platz zu sparen. An vier Stellen im Korpus, wenn man das noch so nennen kann, sind Stahlstifte untergebracht, die zwei gebogene Mepla-Rohre aufnehmen können. Mepla ist eine extrem leichte Kunststoff-Aluminium-Verbindung. Die Rohre haben eine Verkleidung aus Zellkautschukschläuchen und an ihren Enden jeweils Aluminium-Aufnahmehülsen für die Stifte. An der zum Spieler zugewandten Seite des Korpus sind ein bequem mit dem Daumen zu erreichender Volumenregler sowie ein Auto-Tuner von "Sabine" untergebracht. Das Stimmgerät hat ein eigenes Kontaktmikro sowie eine eigene Batterie, die sich unter der Batterie für das Vorverstärkersystem im Korpus befindet. Auf Höhe des Sattels befindet sich die Anschlußbuchse. Sogar an Gurtpins, die sich an beiden Enden des Korpus befinden, wurde gedacht. Ein KoaxialPiezo-Pickup mit integrierter Vorverstärkung befindet sich unter dem Steg in einem Stegblock, der fest mit dem Korpus verbunden ist. Dadurch ist der Steg selbst frei für ein MIDI Tonabnahmesystem, das jedoch optional ist. Es ist wirklich erstaunlich, was hier alles auf kleinstem Raum, handlich zu bedienen, untergebracht wurde.
DER KLANG
Ein bekannter Nachteil elektroakustischer Gitarren ist die Tonabnahme am Steg. Rutschgeräusche werden übertragen, und die Saiten sind in ihren Klangfarben beschränkt. Krocker hat dieses Problem elegant gelöst. Durch die Entkopplung der Tonabnahme vom Steg nimmt der Pickup die Schwingungen der Saite nur indirekt auf.
Durch die Verbindung des Stegblocks mit dem Korpus werden aber auch die Schwingungen des gesamten Instruments übertragen. Der Hohlraum im Korpus verhindert dabei ein zu langes Sustain, indem er die Schwingung der in Bewegung gebrachten Masse insgesamt dämpft. Das Ergebnis ist ein Ton, der bei moderater Lautstärkenregelung erstaunlich nah an den gewohnten Konzertgitarrenklang herankommt. Hierbei ist der Unterschied zum zweiten getesteten Modell mit etwas längerem Hals und den runden Seitenteilen interessant. Mir kam diese Variante mit seiner etwas tieferen Eigenresonanz sehr entgegen: ein vollerer, runderer, dunklerer Ton als beim ersten Modell, das zumindest im Verbund mit einem kleinen 35-Watt-Verstärker etwas härter und brillanter klingt. Aber das ist sicher Geschmackssache. Übrigens: Beim unverstärkten Einsatz ermöglicht der Hohlraum im Korpus wiederum einen gut hörbaren Klang, der dennoch leise genug ist, um etwa mitten in der Nacht damit spielen zu können. Der insgesamt plastische und obertonreiche Sound ermöglicht das Arbeiten mit Klangfarben, und man hört überdies sehr genau die Unterschiede zwischen Apoyando und Tirando. Die etwas höheren Bundstäbchen lassen eine sehr gute Kontrolle des Tons zu. Schließt man beide Modelle an einen größeren Amp an - in diesem Fall an einen 120-Watt-Baßverstärker - so wird der Klang noch natürlicher und ist sehr präsent, mit druckvollen Bässen und transparenten Höhen. Durch die schon erwähnte Entkopplung der Sound-Abnahme vom Steg sind Saitengeräusche und Anschlagsklacken kaum zu hören. Und "kaum" heißt: auch nicht mehr als bei einer normalen Konzertgitarre. Wenn man jetzt den Lautstärkeregler voll aufdreht, um zu sehen, wann es endlich ein Feedback gibt, so kann man lange warten. Durch die schon erwähnte Dämpfung ist die Resonanz nicht so stark; es gibt somit fast überhaupt keine Rückkopplungen.
HANDHABUNG UND SPIELBARKEIT
Ungewohnt ist es schon: eine Gitarre mit dem Kopf am falschen Ende, mit viel Luft dazwischen und nur einem Rohr, das man gegen die Brust drücken kann; Krocker hat jedoch die Form einer Gitarre so nachgebildet, daß einem vielleicht das Holzgefühl etwas abgeht, man sich jedoch ansonsten schnell an die"Frame Guitar" gewöhnt. Das Modell mit den runden Rohren liegt sogar so auf dem Oberschenkel auf, dass man sich sowohl Fußstützen als auch Gitarrenstützen sparen kann. Die Seitenteile sind leicht nach hinten gebogen, so daß tatsächlich die räumliche Illusion eines Korpus entsteht und die Gitarre ganz natürlich an der Brust anliegt. Das Ganze ist zwar zuerst etwas "wacklig", aber das hat man schnell im Griff. Überzeugen konnte mich das Konzertgitarrenfeeling: Die Handhabung des Griffbretts ist genauso, wie man es gewohnt ist. Der Volumenregler ist sehr ergonomisch untergebracht und blitzschnell während des Spielens erreichbar. Auch das Stimmgerät, das sich übrigens automatisch nach dem Stimmen wieder abschaltet, liegt sehr gut im Blickfeld und läßt sich unmerklich für das Publikum betätigen. Das Holz glänzt in einem matten "Tung Oil Finish", dem Öl eines chinesischen Nußbaums - es bereitet Vergnügen, den Hals anzufassen. Das Holz wird laut Hersteller zuerst poliert und dann mit 15 Schichten dieses Öls versehen. Die Verkleidung der Seitenteile aus Zellkautschuk ist rutschfest und angenehm an der Haut. Die Saitenlage war für mich bei den beiden getesteten Modellen zu niedrig. Das läßt sich jedoch genauso wie die Halsstärke individuell einstellen bzw. herstellen. Auch die Gitarristen, die perkussive Sounds bearbeiten, kommen voll auf ihre Kosten. Da von jedem Teil des Instruments Schwingungen aufgenommen werden, klingt jedes Teil anders, so daß eine Vielzahl von Perkussionseffekten möglich ist. Der Zusammenbau funktioniert problemlos leicht: Das Seitenteil wird einfach auf die Stifte gesetzt, um es darin einrasten zu lassen. Die Seitenteile lassen sich bei der GitarrenformVersion auch umdrehen. So hat man das dickere Teil auf dem Oberschenkel, und man spart wieder die Fußstütze. Clever!
FAZIT
Frank Krocker stellt mit der "Frame Guitar" ein phantastisch klingendes und bis ins kleinste Detail durchdachtes Instrument vor. Es ist nicht nur voll tauglich für den Bühneneinsatz, wie der Hersteller bescheiden beschreibt, sondern auch eine wirklich gute und neue Alternative für alle, die akustische Gitarren verstärkt spielen. Außerdem kann man die "Frame Guitar" als ideales Reise - und Übeinstrument benutzen oder von den Vorteilen einer MIDI-Version profitieren. Handlichkeit, ein schönes, ausgefallenes Design und perfekte Verarbeitung sind weitere Punkte, die aus dem Gitarrenrahmen schon fast ein Liebhaberstück machen. Der Preis von 3200,- DM inkl. Gigbag offeriert ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Angeboten werden außerdem noch Stahlsaitenversionen sowie die schon erwähnte MIDIVersion, bei der Frank Krocker mit dem Hersteller Axon (siehe Testbericht BlueChip, AG 1198) zusammenarbeitet.
Adam Salomon
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